Menschen, die von Tiefschall und Infraschall betroffen sind, leiden oftmals sehr stark darunter.
Die Wunschvorstellung ist in der Regel, dass wir die Störquelle „finden und abschalten“ können.
Dieser Wunsch ist nachvollziehbar und verständlich.
In der Praxis gestaltet sich die Situation jedoch meist komplexer.
Ich formuliere das gern mit der so genannten „3 × 1/3‑Regel bei Tiefschall“:
Egal, um welche Quelle es sich handelt und wie sorgfältig wir suchen, gibt es grundsätzlich nur drei mögliche Ergebnisse:
- Wir finden die Quelle, und das Problem lässt sich beseitigen.
- Wir finden die Quelle, sie kann aber – aus rechtlichen, technischen oder wirtschaftlichen Gründen – nicht beseitigt werden.
- Wir können die Quelle nicht eindeutig festlegen.
Geht man davon aus, dass diese drei Fälle statistisch gleich verteilt sind, ergibt sich folgendes Bild:
In etwa 2/3 der Fälle können wir die Quelle identifizieren, aber nur in 1/3 der Fälle besteht auch die reale Möglichkeit, das Problem tatsächlich zu beseitigen.
Wenn das ausdrückliche Ziel des Kunden „finden und abschalten“ lautet, ist es daher fair, ihn darauf hinzuweisen, dass selbst dann, wenn wir die Quelle finden, soziale, juristische, wirtschaftliche und technische Hürden das Abschalten erschweren oder sogar unmöglich machen können.
Deswegen beginnen wir immer mit der Analyse Typ 0.
Diese hat das Ziel, die subjektive Störwahrnehmung des Betroffenen in ein physikalisch messbares Schallmuster zu übersetzen, das gezielt gesucht werden kann.
Mit Messtechnik können wir nur Schallmuster erfassen, nicht persönliche Empfindungen oder „Bauchgefühle“.
Sobald wir ein Schallmuster identifiziert haben, das als wahrscheinliche Ursache der Störempfindung gilt, folgt der nächste Schritt:
Die Analyse Typ 1 als Eingrenzungssuche, bei der wir gezielt nach der Quelle dieses Schallmusters suchen.
Wir beginnen mit der Abklärung, wie sich der Schall über die räumliche Fläche verhält.
Dabei zeigt sich meist recht schnell, in welchem Umkreis die Quelle liegen kann – von etwa 20 m bis über 10 km Entfernung.
Erst auf dieser Basis lässt sich eine realistische Einschätzung treffen, wie wahrscheinlich es ist, die Quelle zu finden und – wenn möglich – das Problem zu lösen.
Klar lässt sich sagen: Je näher die Quelle ist, desto größer sind in der Regel die Chancen, eine wirkliche Verbesserung zu erreichen.
Deshalb arbeiten wir aufbauend in Etappen:
Zuerst Typ 0, dann Typ 1.
Dann wissen wir in der Regel ziemlich gut, woran wir es technisch zu tun haben – und vor allem, was sachlich realistischerweise erreichbar ist und was nicht.
