RTL-Brummton

RTL Punkt 12! am 7.7.2021: Thema  Dauerbrummen

Ich hatte die Gelegenheit, gemeinsam mit meinem Kollegen Uwe Schenke an einem RTL Punkt 12! Beitrag von Miriam Werning mitzuarbeiten.

Es geht in dem Beitrag um eine Kundin in München, die wegen eines Dauerbrummens und Ohrendruck ihre seit 14 Jahren bewohnte Wohnung seit einem halben Jahr nicht mehr Nutzen kann. Sie bekommt dort starke Symptome wie Ohrendruck, Schwindel, Schlafstörungen und Herzrasen.
Frau Werning geht dabei den erstmal unglaubhaft klingenden Dingen mit unserer Hilfe und der Hilfe eines Schlafmediziners nach.

Die Kundin wendete sich zuerst an meinen Kollegen vor Ort Uwe Schenke, er ist auch Baubiologe und ein Spezialist auf dem Gebiet der natürlichen Baustoffe, Innenraumschadstoffe und Sachverständiger für Schimmelpilzschäden. Im weiteren Verlauf zog er mich als Spezialisten für Tiefschallanalysen zu diesem Projekt hinzu.
Da es sehr viele baubiologische Disziplinen gibt, und keiner in allem gut sein kann, arbeiten Baubiologen in der Regel mit Netzwerken von Kollegen zusammen, tauschen sich regelmäßig auf Fortbildungen aus, um für spezielle Fälle immer einen Kollegen zur Hand zu haben, den man hinzuzieht.

Bereits vor unserem Drehtag war der Schlafmediziner vor Ort, um die Kundin für die Nacht zu „verkabeln“. Und auch er bekam plötzlich vor laufender Kamera Ohrendruck-Probleme. Ein sehr günstiger Umstand in diesem Fall, denn Kunden und Patienten mit derartigen Beschwerden wird häufig vorgeworfen sich das alles nur einzubilden.

An unserem Drehtag, er ging von 18 Uhr bis 2 Uhr nachts, bauten wir zunächst alle Messtechnik in Ruhe auf. Gute Schallmessung und Zeitdruck passen nicht zusammen.
Die Kundin gab an, dass die Probleme in der Regel ab ca. 21 Uhr bis 21.30 Uhr anfangen bzw. deutlich stärker werden. So wollten wir auf jeden Fall beizeiten Aufbauen, um  Vergleichsmessungen vor dieser angegebenen Zeit zu haben.
Und in der Tat, war zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr nichts ungewöhnliches zu Messen, dass man nicht mitten in München ohnehin erwarten würde.

Gegen 22 Uhr wir aßen gerade Pizza, sagte die Kundin plötzliche „jetzt ist es da“.
Also Pizza beiseite, und wirklich die Messgeräte zeigten ein ungewöhnliches Bild – genau genommen zwei ungewöhnliche Bilder – die zuvor nicht da waren.
Das eine war eine Vibration mit ca.  48 Hz die wir später in der Nacht lokalisieren konnten.
Das andere war ein Luftschall bei knapp 30 Hz. Die beiden Phänomene kommen ziemlich sicher von zwei unterschiedlichen Ursachen.
Es reagiert jeder Mensch, der auf Vibration und Schall reagiert, etwas anders. Doch die Symptome Ohnrendruck und Schwindel gehen häufig auf Luftschall zurück.
Vibrationen haben dagegen häufig mit Unruhe auch mit Herzrasen zu tun.
Wobei das Herzrasen auch oft eine Erschöpfungsfolge ist, die wiederum von dem Schlafmangel kommt, der sowohl durch Körperschall als auch durch tieffrequenten Luftschall entstehen kann.

Den Vibrationen folgten wir mehrere Stunden durch die Katakomben – ein Keller-Netzwerk der münchner Altbauwohnanlage über mehrere Gebäude hinweg. Geführt vom Vater der Kundin, der bis vor seinem Ruhestand hier Hausmeister war.
Dort war natürlich auch viel Schall und Vibration zu finden, doch wir suchten genau den, der in der Wohnung auffällig war. Andere Frequenzen waren für uns hier uninteressant.
Wir wurden dann nachts um ein Uhr, im Nachbargebäude, am eintritt der Hauptwasserleitung, fündig.
Die ca. 48 Hz schienen von der Hauptwasserleitung ins Haus getragen zu werden.
Solange kein Wasser in der Anlage floss, was gelegentlich vorkam um ein Uhr Nachts, waren die Vibrationen auch nicht zu messen.
Um diese Vermutung zu überprüfen, müsste man einfach an den Hauptwasserleitungen der Nachbarhäuser messen, im Fall das sich dieses Bestätigen würde, wäre es Aufgabe der Stadtwerke sich darum zu kümmern. Hierfür gibt es vibrationsentkoppelte Rohrstücke die eingesetzt werden können. Das gute alte Eisenrohr ist natürlich ein hervorragender Schwingungsüberträger.

Dem anderen Problem mit den knapp 30 Hz Luftschall konnten wir an dem Abend nicht mehr nachgehen.
Die Dreharbeiten parallel zu den Messungen haben viel Zeit in Anspruch genommen.
Diese knapp 30 Hz Luftschall sind vermutlich für den Ohrendruck verantwortlich.
Doch mit den vielen Beteiligten in der engen Wohnung, und dem dadurch geöffnetem Fenster konnten wir die Messungen die das belegen oder widerlegen würden an dem Dreh-Abend nicht durchführen.
Hierfür wäre eine Langzeitaufzeichnung (Schallanalyse Typ 5 + Typ 6) das Mittel der Wahl.
Zeitgleich wäre die Kundin in der Wohnung und würde den Verlauf ihrer Symptome protokollieren. So würde man klar herausbekommen welche Schallphänomene mit den Symptomen kommen und gehen.

Das nüchterne Ende des Beitrages war dann, dass die Baugenossenschaft, die Belege für das Problem wollte, diese bekam, sowohl von dem Schlafmediziner, als auch von unserer Seite. Doch statt der zuvor angekündigten Unterstützung kam ein Hinweis darauf, dass die Wohnung der Kundin sehr begehrt ist und die  Warteliste für ihre Wohnung lang sei.
Darüber hinaus respektieren sie es, wenn die Mieterin weiter nach der Ursache suchen möchte.